Aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen zu ADHS

Auf dieser Seite finden Sie aktuelle Studien und Veröffentlichungen zum Thema ADHS.
Hier finden Sie Informationen über aktuelle nationale Forschungsprojekte zum Thema ADHS.


Übersichtstexte

Autoren: Tobias Banaschewski, Katja Becker, Manfred Döpfner, Martin Holtmann, Michael Rösler, Marcel Romanos

Abstract: Hintergrund: Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist mit einer Prävalenz von etwa 5 % eine häufige, früh beginnende und persistente Entwicklungsstörung in Kindheit und Adoleszenz.
Methode: Selektive Recherche in PubMed unter Bezugnahme auf Leitlinien und systematische Übersichtsarbeiten.
Ergebnisse: Mindestens 75 % der betroffenen Kinder und Jugendlichen entwickeln eine komorbide Störung, welche die Diagnostik erschwert, die Therapie verkompliziert und die Prognose verschlechtert. Die Ätiologie ist komplex, heterogen, mit hohem genetischen Einfluss und vielfältigen neurobiologischen Alterationen. Pränatale Umwelteinflüsse scheinen zudem das Risiko für ADHS zu erhöhen. Die Therapie wird maßgeblich getragen von Psychoedukation, Verhaltenstherapie sowie Psychopharmakotherapie bei meist milden unerwünschte Arzneimittelwirkungen wie Schlafstörungen oder Appetitreduktion. Die individuelle Indikationsstellung für therapeutische Interventionen wird beeinflusst von Schweregrad, Komorbidität, vorherigen Therapieversuchen sowie familiären, sozialen und pädagogischen Rahmenbedingungen.
Schlussfolgerung: Zur Klärung der Ätiologie sind translationale Forschungsbemühungen erforderlich. Seit 1987 lässt sich in epidemiologischen Studien keine Zunahme der Prävalenz im Kindes- und Jugendalter nachweisen. Die verbesserte Diagnostik macht ein evidenzbasiertes und bedarfsgerecht adaptierbares Therapieangebot erforderlich.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0149

Autoren: Sabina Millenet, Sarah Hohmann, Mirjam Just, Manfred Döpfner, Marcel Romanos, Tobias Banaschewski

Abstract: Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) stellt eine der häufigsten psychischen Störungen des Kindes- und Jugendalters dar. 50–80 % der Betroffenen weisen auch im Erwachsenenalter Symptome der ADHS auf, die häufig mit deutlichen Funk-tionsbeeinträchtigungen assoziiert sind. Für die Diagnostik der ADHS ist eine umfassende Exploration der störungsspezifischen Entwicklungsgeschichte einschließlich assoziierter Störungen unter Berücksichtigung unterschiedlicher Informationsquellen unerlässlich. Fragebögen, apparative und Labordiagnostik können ergänzend eingesetzt werden. Die multimodale Therapie basiert neben der obligaten Psychoedukation vor allem auf verhaltenstherapeutischen und pharmakologischen Behandlungsbausteinen. Die individuelle Indikationsstellung für therapeutische Interventionen richtet sich u. a. nach Alter, Schweregrad, Komorbidität sowie familiären, sozialen und pädagogischen Rahmenbedingungen. Vor allem bei extrem ausgeprägten Symptomen und bei gleichzeitigem Vorliegen assoziierter Störungen hat sich ab dem Schulalter die Kombination von verhaltenstherapeutischen Ansätzen und Pharmakotherapie bewährt.

DOI: 10.1055/s-0038-1629396

Autoren: Christian J. Bachmann, Alexandra Philipsen, Falk Hoffmann

Abstract: Hintergrund: Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) besteht bei einem Teil der Patienten auch im Erwachsenenalter fort. Untersuchungen aus Deutschland zur Diagnose und Behandlung der ADHS im Lebensverlauf einschließlich der Transition jugendlicher ADHS-Patienten fehlen bisher weitgehend.
Methode: Bundesweit wurden Routinedaten der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) zur Häufigkeit von ADHS-Diagnosen und ADHS-Medikamentenverordnungen ausgewertet. Ergänzend wurde die Versorgung einer Kohorte 15-jähriger ADHS-Patienten als sogenannte Transitionskohorte im Verlauf von sechs Jahren analysiert.
Ergebnisse: Zwischen 2009 und 2014 stieg die Häufigkeit von ADHS-Diagnosen bei 0- bis 17-Jährigen von 5,0 % auf 6,1 % (mit einem Maximum von 13,9 % bei 9-jährigen Jungen) und bei 18- bis 69-Jährigen von 0,2 % auf 0,4 % an. Während bei Erwachsenen mit ADHS-Diagnose die Verordnung von ADHS-Medikamenten zunahm, sank sie bei Kindern und Jugendlichen. Meistverordneter Wirkstoff war Methylphenidat, gefolgt von Atomoxetin und Lisdexamfetamin. In der Transitionskohorte fiel der Anteil der ADHS-Diagnosen innerhalb von 6 Jahren von 100 % auf 31,2 % und die Medikationshäufigkeit von 51,8 % auf 6,6 %.
Schlussfolgerung: In den vergangenen Jahren hat die Häufigkeit von ADHS-Diagnosen und ADHS-Medikation bei Erwachsenen zugenommen, was als Ausdruck einer Sensibilisierung von Ärzten und Patienten für die adulte ADHS gewertet werden kann. Die Diagnosehäufigkeit liegt jedoch unter der in epidemiologischen Studien ermittelten Prävalenz. Dies könnte auf die Notwendigkeit eines Ausbaus der Versorgung adulter ADHS-Patienten hindeuten. Die niedrige Medikationsquote am Übergang ins Erwachsenenalter wirft die Frage auf, ob für diese Altersgruppe spezifische Transitionskonzepte entwickelt werden müssen.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0141

Die Liste stellt eine durch das zentrale adhs-netz vorgenommen Auswahl existierender Literatur dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.