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Was ist ADHS?

Die Abkürzung ADHS

steht für die sogenannte Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung. Ca.5% aller Kinder sind betroffen. Somit ist sie die häufigste kinder- und jugendpsychiatrische Erkrankung. 
Erst kürzlich wurde bekannt, dass ADHS auch bis ins Erwachsenenalter auftreten kann.
Diese neurobiologische Störung ist seit über 100 Jahren auch als „Zappelphilipp“ bekannt. Sie taucht bereits 1845 bei dem Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann im „Struwwelpeter“ auf. 
Körperliche Unruhe, impulsives Verhalten und Konzentrationsschwäche sind die häufigsten Erscheinungsbilder. 
Vor allem eine unbehandelte ADHS kann störendes Verhalten in Schule, Beruf, Familie und Freizeit, sowie starke Verträumtheit, Entwicklungs- und Lernstörungen hervorrufen. 
ADHS ist ein Problem, das zunehmend Bedeutung gewinnt. Allerdings werden die Zahlen der in Deutschland durchgeführten Behandlungen dem Stellenwert der ADHS nicht gerecht. Dies gilt sowohl für die nicht-medikamentösen als auch die medikamentösen Therapien. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig. Neben ideologischen Bedenken spielen Unaufgeklärtheit, Unerfahrenheit sowie die diagnostische Problematik auf diesem Gebiet die größte Rolle.

Ein Verdacht besteht wenn ...

  • Sie und/oder Ihr Kind sehr oft verträumt und unkonzentriert sind,
  • Zimmer, Wohnung und Schultasche wie ein Schlachtfeld aussehen,
  • das morgendliche Fertigmachen regelmäßig in Stress ausartet,
  • vieles trotz bester Absichten immer wieder schief geht,
  • Verabredungen und Sachen oft vergessen werden,
  • Aufgaben und Projekte regelmäßig auf den letzten Drücker erledigt werden,
  • häufig Termine verpasst werden,
  • tausend Ideen und Arbeiten angefangen aber nur wenige beendet werden,
  • Hausaufgaben und Schreiben zur stundenlangen Qual werden,
  • das Zusammensein mit anderen öfters mit Ärger einhergeht,
  • das manchmal Unruhe und Chaos überhand zu nehmen scheinen,

Zunächst einmal: ADHS zu haben ist kein Weltuntergang und es handelt sich auch nicht um eine Modeerscheinung! ADHS ist eine ernst zu nehmende Störung. Für die Betroffenen ist eine korrekte Diagnoseund fundierte Information der erste Schritt zur Verbesserung ihrer Situation. ADHS betrifft Jungen und Mädchen, aber auch Erwachsene, da das Krankheitsbild nicht im eigentlichen Sinn heilbar ist.

ADHS ist die am häufigsten diagnostizierte psychiatrische Störung im Kindes- und Jugendalter. Man geht davon aus, dass ca. 3-10% eines Jahrgangs ein ADHS mit oder ohne Hyperaktivität haben - viele davon noch immer ohne korrekte Diagnose und angemessene Hilfe.

Menschen mit ADHS können lernen, mit ihren Schwierigkeiten umzugehen und mit Hilfe von Therapien und durch geeignete Schul- und Berufswahl ein erfülltes und erfolgreiches Leben zu führen. Wichtig sind Geduld und die Konzentration auf die eigenen Stärken! Eltern und Angehörige können diesen Prozess durch Verständnis und Hilfe maßgeblich unterstützten.


Ursachen

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse weisen daraufhin, dass es sich bei ADHS um eine Funktionsstörung im Stirnhirnbereich und einiger Stammganglien handelt. Spezialuntersuchungen haben gezeigt, dass bei ADHS-Kindern das Stirnhirn weniger oder kaum Glucoseverbrauch zeigt (Unterfunktion der Arbeitsintensität). Die Funktionsstörung beruht auf der Ebene der Neurotransmitter (Botenstoffe z.B. Dopamin, Noradrenalin, Serotonin), die entscheiden, ob der Betroffene hypo- oder hyperaktiv ist.


Symptome

Kinder mit ADHS haben viele Probleme. Häufige fallen sie auf durch Unkonzentriertheit, motorische Störungen, leichte Ablenkbarkeit und Tagträumereien, sie hören gut - nehmen aber nicht alles wahr, denken und reagieren oft langsam, vergessen viel, sind affektlabil und weinen leicht, regen sich schnell auf, sind leicht gekränkt, fühlen sich ungeliebt und missverstanden, machen stundenlang Hausaufgaben und arbeiten in der Schule zu langsam, haben »Sprechdurchfall«, können nicht abwarten, zeigen oft Ängste etc.

Dabei darf man aber nicht vergessen, dass Menschen mit ADHS auch außergewöhnliche Stärken aufweisen:

  • starker Gerechtigkeitssinn,
  • Fürsorge für Schwächere,
  • Kreativität in vielen Bereichen,
  • Konzentrationsfähigkeit auf starke Interessen,
  • Fähigkeit zu unkonventionellen Lösungen,
  • Verhandlungsgeschick,
  • rhetorische und sprachliche Fähigkeiten,
  • Tierliebe,
  • interessante Persönlichkeit.

Die Herausforderung liegt darin, die positiven Eigenschaften zu erkennen und bei der Schul-und Berufswahl zu nutzen, und die Schwächen durch Therapie und Übung zu verbessern. Dann sind auch Menschen mit ADHS in der Lage, ein erfolgreiches Leben führen. Man kann zumindest spekulieren, dass so mancher Politiker, Musiker, Forscher, Journalisten, Manager, Unternehmer, Künstler usw. eine schwierige Kindheit/Schulzeit hatte und das womöglich auf ADHS zurückzuführen ist ...