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Schulrechtliche|Rahmenbedingungen

Auf diesen Seiten finden Sie Informationen zu schulrechtlichen Rahmenbedingungen für pädagogische Förderung.

Regelbeschulung

In der Regel kann ein Schüler mit ADHS in der allgemeinen Schule beschult werden. Falls im Einzelfall sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt wird, ist dem gemeinsamen Unterricht prinzipiell der Vorrang einzuräumen (Punkt 8 der Eckpunkte). Der Umgang mit ADHS-Kindern im Unterricht bedarf individueller pädagogischer Förderstrategien und Integrationsmaßnahmen. Unter dem Punkt „Hilfreiche Konzepte“ haben wir für Sie exemplarisch einige Konzepte zusammengestellt.

Im Folgenden finden Sie Beispiele für Leitfäden zur Beratung und Unterstützung bei schulbezogenen Problemen im Lern- und Leistungsbereich, im sozialen Miteinander bzw. im Verhalten, wie sie bereits in einigen Bundesländern umgesetzt sind. Diese Beispiele sind Modelle für deren Inhalte die jeweiligen Urheber verantwortlich sind.

Beispiel Hamburg: REBUS (Regionale Beratungs- und Unterstützungsstellen)

In Hamburg wurden von der Schulbehörde 15 regionale Beratungs- und Unterstützungsstellen eingerichtet, die sich an den Schulkreisen des Schulaufsichtsbereichs für Grund-, Haupt- und Realschulen orientieren. 
REBUS bietet Schülern Hilfen an, die aus bestehenden Schulangeboten herauszufallen drohen oder die mit herkömmlichen Schulangeboten nicht erreicht werden. Schüler, deren Eltern und Lehrkräfte erhalten Beratung und Unterstützung, wenn Probleme im Lern- und Leistungsbereich, im sozialen Miteinander bzw. im Verhalten aus eigener Kraft heraus nicht mehr bewältigt werden können.

Der REBUS-Bericht informiert über die Struktur sowie über die Arbeit der REBUS-Stellen.

REBUS-Bericht

Möglichkeiten des Nachteilsausgleichs

Die Vorschriften über Hilfen für behinderte Menschen zum Ausgleich behinderungsbedingter Nachteile oder Mehraufwendungen (Nachteilsausgleich) werden so gestaltet, dass sie unabhängig von der Ursache der Behinderung der Art oder Schwere der Behinderung Rechnung tragen (SGB IX, § 126, Abs. 1).
Grundlegend haben Schüler mit Behinderungen Anspruch auf einen Nachteilsausgleich. In den Schulgesetzen der einzelnen Bundesländer ist dies für die Lese-Rechtschreibstörung weitgehend umgesetzt, beispielsweise für Bayern in den Richtlinien zur Förderung von Schülern mit Legasthenie und Lese- und Rechtschreibschwäche (Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 16. November 1999).
Die Möglichkeiten eines Nachteilsausgleichs für Schüler mit ADHS sind bundesweit noch nicht ausgeschöpft. Auf die Notwendigkeit eines solchen Ausgleichs haben wir im Eckpunktepapier (Punkt 7) und im Schreiben an die Kultusministerien hingewiesen.

Auf dieser Seite finden Sie exemplarische Beispiele für Lösungsmöglichkeiten:

Möglichkeiten des Nachteilsausgleichs am Beispiel Hessen

Das hessische Kultusministerium sieht u.a. eine Möglichkeit der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS durch die in der Verordnung zur sonderpädagogischen Förderung vom 17. Mai 2006 beschriebenen präventiven Maßnahmen der allgemeinen Schulen gegeben. Danach kann ein Nachteilsausgleich in begründeten Fällen durchaus zur Anwendung gelangen, wenn die verabredeten Maßnahmen im individuellen Förderplan von der Klassenkonferenz festgeschrieben und ausführlich mit den Eltern und Schülern kommuniziert wurden.

Grundlage: Nachteilsausgleich für Schülerinnen und Schüler mit Funktionsbeeinträchtigungen, Behinderungen oder für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Schwierigkeiten beim Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen.

Möglichkeiten des Nachteilsausgleichs am Beispiel Thüringen

Thüringen geht mit der „Fachlichen Empfehlung zu Fördermaßnahmen für Kinder und Jugendliche mit besonderen Lernschwierigkeiten in den allgemein bildenden Schulen (außer Förderschulen) in Thüringen“ vom 20. August 2008 einen entscheidenden Schritt in Richtung Gewährung von Nachteilsausgleich, auch wenn der gesetzliche Anspruch darauf (noch?) nicht gegeben ist.
Es wird empfohlen, Kindern mit besonderen Lernschwierigkeiten, die im Schriftspracherwerb, in Mathematik oder/und im Verhalten auftreten können, mit einem individuellen Förderplan und spezifischen Unterstützungssystemen innerhalb der Schule bis hin zu zusätzlichen Lehrerwochenstunden für individuelle Förderprogramme zu unterstützen.
Schüler mit ADHS gelten als Schüler mit besonderen Lernschwierigkeiten, da sich die Kernsymptomatik Aufmerksamkeitsstörung, Impulsivität und ggf. Hyperaktivität im bestehenden Schulsystem bei Standard-Unterrichtssituationen im traditionellen Stil nachteilig für die Betroffenen auswirken.
Die Schulen werden hierfür besonders in die Verantwortung genommen: „Schulen stehen in der Verantwortung allen Kindern aktiv Hilfestellung zu leisten, bei denen besondere Lernschwierigkeiten auftreten… Förderung der Kinder und Jugendlichen stellt eine substantielle Aufgabe der Schule dar und ihre Umsetzung ist ein Gradmesser für Schulqualität“ (aus: „Fachliche Empfehlung zu Fördermaßnahmen für Kinder und Jugendliche mit besonderen Lernschwierigkeiten in den allgemein bildenden Schulen (außer Förderschulen) in Thüringen“, s.o.).
Die pädagogische Förderung von Kindern mit Verhaltensproblemen (und damit oft der Kinder mit ADHS) beginnt frühzeitig und wird im entsprechenden individuellen Förderplan festgeschrieben.
Förderung umfasst also neben individuellen Fördermaßnahmen im Unterricht (nähere Informationen hierzu finden Sie unter: Für Pädagogen/Hilfreiche Konzepte) auch spezielle Unterstützungsprogramme, die den Thüringer Lehrern in zahlreichen Fortbildungsveranstaltungen vorgestellt wurden (z.B. Aufmerksamkeitstraining nach Lauth/Schlottke, soziale Kompetenztrainings, Thüringer Förderprogramm für Kinder und Jugendliche mit Verhaltensproblemen ab Klasse 5).
„Alle Fördermaßnahmen haben zum Ziel, die Stärken der Kinder und Jugendlichen bewusst zu machen, diese auch kompensierend einzusetzen, Erfolgserlebnisse zu ermöglichen, die Lernmotivation zu fördern, Lernstrategien und Arbeitstechniken zu vermitteln sowie Verhaltensweisen einzuüben, um mit den vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten gestellte Anforderungen besser bewältigen zu können.“ (aus: „Fachliche Empfehlung zu Fördermaßnahmen für Kinder und Jugendliche mit besonderen Lernschwierigkeiten in den allgemein bildenden Schulen (außer Förderschulen) in Thüringen“, s.o.).
Nach einer jährlichen Fortschreibung des Förderplanes gilt dieser als Grundlage für die Schule, rechtzeitig einen Antrag auf Nachteilsausgleich bei einer anstehenden Abschlussprüfung beim zuständigen Schulamt zu stellen, der in der Regel nach Kontrolle der Qualität der vorangegangenen Förderung auch genehmigt wird.
Damit können folgende Mittel des Nachteilsausgleiches gewährt werden:

  1. Verlängerung des zeitlichen Rahmens
  2. Verwendung technischer Hilfsmittel (z.B. Laptop)
  3. Unterstützung durch geeignetes Personal
  4. Mündliche statt schriftliche Leistungsnachweise
  5. Form der Aufgabengestaltung
  6. Leistungsfeststellung in der Einzelsituation

Es ist zu wünschen, dass das Recht auf Nachteilsausgleich bei ADHS aufgrund der bestehenden Lernschwierigkeiten in naher Zukunft im Schulgesetz verankert und damit jedem betroffenen Kind in jeder Schulart ermöglicht werden kann.

 

 

Sonderpädagogische Förderung

Schüler mit ADHS können Anspruch auf sonderpädagogischen Förderbedarf haben, der in den einzelnen Bundesländern jeweils unterschiedlich geregelt ist. Prinzipiell kann der sonderpädagogische Förderbedarf im Rahmen des gemeinsamen Unterrichts oder im Rahmen einer Förderschule umgesetzt werden. In den einzelnen Bundesländern gibt es hierfür unterschiedliche Bestimmungen.

Auf dieser Seite finden Sie exemplarische Beispiele