Zentrales ADHS Netz

Zusammenarbeit mit den Eltern

I.  Kontaktaufnahme des Lehrers mit den Eltern

  • Laden Sie die Eltern frühzeitig zum Gespräch ein (nicht vor!) und warten Sie nicht damit bis eine Situation bereits eskaliert ist, vermeiden Sie ein Gespräch im Affekt.
  • Teilen Sie den Eltern ihre Sorge um das Kind mit,  ohne Interpretation und Beurteilung.
  • Schaffen Sie ruhige Rahmenbedingungen, keine „Tür- und Angelgespräche“ und legen Sie die Gesprächsdauer vorher fest und benennen Sie diese.
  • Bereiten Sie sich auf das Gespräch vor (s. II.) und versuchen Sie sich dabei Ihrer ggf. aufgestauten Emotionen bewusst zu werden.
  • Bedenken Sie, dass es sein kann, dass im häuslichen Umfeld kaum Probleme existieren , weil die Eltern unter Umständen intuitiv günstige Erziehungsstrategien entwickelt und Rahmenbedingungen geschaffen haben, die im schulischen Alltag, schon alleine aufgrund der Gruppensituation, nicht realisierbar sind.

II.  Durchführung von Elterngesprächen

Gesprächsablauf

  • Beginnen Sie mit einer positiven Rückmeldung, dass sich die Eltern Zeit genommen haben und zur Mitarbeit bereit sind.
  • Beschreiben Sie sachlich  Ihre Beobachtungen des Kindes aus dem Unterricht und schildern das Verhalten möglichst konkret, zeigen Sie den Unterschied zu den anderen Kindern in der Klasse auf z.B. anstatt „benimmt sich schlecht“ Beschreibungen wie „ruft dazwischen ohne sich zu melden“ oder „benötigt die dreifache Zeit um die Aufgabe von der Tafel abzuschreiben“.
  • Nennen Sie auch die Stärken, die Sie bei dem Kind wahrnehmen, z.B. „übernimmt gerne bestimmte Aufträge“.
  • Berücksichtigen Sie, dass viele Eltern sehr sensibel reagieren (einige sind selbst von ADHS Betroffen), wenn es um ihre Kinder geht, da sie oft schon Schuldzuweisungen und Ablehnung erfahren haben, zeigen Sie Verständnis für die Situation.
  • Erklären Sie welche Schwierigkeiten das Verhalten des Kindes im Unterricht mit sich bringt, denn Eltern haben davon oft keine genaue Vorstellung.
  • Lassen Sie die Eltern schildern, ob es ähnliche Situationen zu Hause gibt und wie sie diese bewältigen.
  • Benennen Sie das gewünschte Verhalten möglichst genau und stellen Sie darüber eine Einigkeit her.
  • Fragen Sie die Eltern nach ihren Lösungsvorstellungen und stellen Sie ihnen vor, welche Maßnahmen Sie sich überlegt haben, um dem Kind zu helfen, welche Regeln (z. B. Zeichensprache, Time-out) eingeführt werden und welche positiven Verstärker aber auch welche mögliche Konsequenzen als Interventionen geplant sind, damit die Eltern diese Mittragen können.
  • Treffen Sie konkrete Vereinbarungen und vereinbaren Sie einen Folgetermin. 

Allgemeine Gesprächstrategien

  • Vermeiden Sie Bewertungen und Interpretationen, sondern schildern Sie Ihre Wahrnehmungen in Ich-Botschaften z.B. Ich habe den Eindruck Ihr Kind leidet unter der Situation.
  • Erheben sie keine Anschuldigungen und Vorwürfe.
  • Verwenden Sie keine Killerphrasen wie „als verantwortungsvolle Eltern müssten sie doch einsehen“.
  • Versuchen Sie sich mit den Eltern über eine gemeinsame Sichtweise des Störungsbildes bei ADHS zu verständigen, da dies von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung des Hilfeplans ist.
  • Erfragen Sie ob die Eltern bereits Unterstützung durch andere Institutionen geholt haben bzw. ob eine Diagnostik des Kindes erfolgt ist.
  • Stellen Sie keine Diagnose „Ihr Kind hat ADHS“, sondern ermuntern Sie die Eltern sich fachlichen Rat und Informationen zu holen.
  • Stellen Sie keine Forderungen auf, sondern finden sie gemeinsame Ziele.
  • Vermeiden Sie Belehrungen und setzen Eltern nicht unter Druck.
  • Machen Sie deutlich wie wichtig es für den Erfolg der Maßnahmen ist, wenn eine Unterstützung durch die Eltern besteht.

III.  Zusammenarbeit mit Eltern – Optimierung der Kooperation

Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus

  • Halten Sie regelmäßigen, engmaschigen Kontakt zu den Eltern, dies kann auch durch geplante kurze Telefonate (z.B. regelmäßig alle 2 Wochen 10 Minuten), ein kleines Mitteilungsheftchen oder per e-mail erfolgen. Klären Sie über den Zweck des Informationsaustausches auf und benennen Sie was ihre Erwartung an die Eltern sind.
  • Versuchen Sie im Kontakt mit den Eltern die Schulsituation im Auge zu behalten und nicht zum Helfer in allen Lebensfragen zu werden, verweisen Sie ggf. auf professionelle Einrichtungen, Selbsthilfegruppen, Telefonberatung u.ä.
  • Achten Sie darauf, dass Absprachen verbindlich eingehalten werden und überprüfen dies beim Folgegespräch.
  • Bitten Sie die Eltern um Mithilfe, beachten Sie dabei aber, dass realisierbare Vereinbarungen getroffen werden, denn Kinder lassen sich nicht „fernsteuern“
  • Sprechen Sie mit den Eltern ab, dass schulisches Fehlverhalten nicht noch zweites Mal zu Hause sanktioniert wird.
  • Beim Einsatz von Verstärkersystemen kann es erforderlich sein, dass die „Belohnung“ vom Elternhaus gestellt wird, hierbei ist es wichtig, dass die Eltern das Belohnungssystem und ihre Aufgabe genau kennen.
  • Klären Sie die Rolle der Eltern bei den Hausaufgaben und beim Üben mit den Kindern
  • Beraten Sie die Eltern ob und welche Möglichkeiten der Lernhilfe sinnvoll sind.

Zum Thema Diagnose

  • In Fällen, in denen Eltern bereits mit der Diagnose ADHS auf Sie zu kommen und Rücksichtnahme einfordern, ist es hilfreich sich die Berichte geben zu lassen, um die Lage genauer Einzuschätzen, oft geben die Befunde Hinweise auf die Begabungsstruktur des Kindes und Fördermöglichkeiten.
  • Vermeiden Sie einen Disput über die Seriosität des gestellte Diagnose, falls Sie diese anzweifeln – im Zweifelsfall kann es nicht schaden, den betreffenden Schüler so zu behandeln als hätte er ein ADHS , da die gleichen pädagogischen Maßnahmen auch bei anderen Problemfällen sinnvoll sind.
  • Im Rahmen des Diagnostik werden Beobachtungsbögen an die Lehrer mitgegeben, bedenken Sie dass Ihre Beobachtungen in schulischen Alltag wertvolle Informationen liefern.

Vernetzung von Hilfsangeboten

  • Lassen Sie sich darüber informieren, welche Therapien durchgeführt werden und ob sie das Kind ggf. bei einer medikamentösen Behandlung unterstützen können.
  • Geben Sie den Eltern und falls vereinbart auch dem behandelnden Arzt Rückmeldung über auffällige Veränderungen des Kindes in der Schule.
  • Bei Konfliktgesprächen kann es hilfreich sein in Absprache mit den Gesprächsteilnehmern auch andere beteiligte Personen zum Gespräch einzuladen (z.B. Beratungslehrer, Psychologe, Therapeut).
  • Sorgen Sie in jedem Fall dafür, dass auch Sie als Lehrer sich ein Umfeld und Netzwerk schaffen in dem Sie Hilfe und Entlastung in schwierigen Situationen erfahren durch Teamarbeit mit Kollegen, Beratungslehrern, Supervision oder Fallberatung!

Nach oben

Grundsätzliche Überlegungen zur Erziehungspartnerschaft

Eltern und Lehrer haben eine gemeinsame Verantwortung für die bestmögliche Entwicklung und Förderung des Kindes. Sie sind besonders dann erfolgreich, wenn sie gut aufeinander abgestimmt sind und im Sinne einer Erziehungspartnerschaft zusammenarbeiten. Folgende Grundsätze bei der Gestaltung der Kontakte mit den Eltern haben sich zu der Erfüllung dieser gemeinsamen Aufgabe bewährt:

Stellen Sie eine enge Kooperation mit den Eltern her

  • Lassen Sie nicht erst „die Sache laufen“
  • Vereinbaren Sie regelmäßige Gesprächszeiten

Schaffen Sie eine positive Gesprächsatmosphäre

  • ruhige Rahmenbedingungen (keine „Tür- und Angelgespräche“)
  • Legen Sie die Gesprächsdauer fest (Kurzgespräch oder längeres Planungs- und Entwicklungsgespräch)
  • Gespräch mit positiver Rückmeldung zum Kind beginnen
  • Anstrengung der Eltern und des Kindes wertschätzen
  • Vermeiden Sie Schuldzuweisungen und eigene Diagnosestellung!
  • Gesprächsziel im Auge behalten
  • Grundhaltung: „Gemeinsam werden wir das schaffen!“
  • Erwarten und respektieren Sie Widerstände/Ängste und impulsive Reaktionen der Eltern

Treffen Sie konkrete Vereinbarungen

  • wenige, aber realistische Ziele definieren
  • Vereinbaren Sie konkrete Maßnahmen
  • Halten Sie die Vereinbarungen schriftlich fest
  • verlässlich die vereinbarten Ziele kontrollieren
  • selbst kleine Schritte wertschätzen

Thematisieren Sie Unterstützungsmöglichkeiten

  • vor Ort verfügbare Beratungsangebote aufzeigen
  • Eltern ggf. bei Kontaktaufnahme unterstützen